"Als ich klein war, hat mein Vater immer zu mir gesagt: „Will, du kannst dir deine Freunde aussuchen und du kannst dir in der Nase bohren, aber in den Nasen deiner Freunde hat dein Finger nichts zu suchen.” Mit acht hielt ich das für eine einigermaßen einleuchtende Bemerkung, aber später stellte ich fest, dass diese Argumentation auf mehreren Ebenen falsch ist. Was schon mal damit anfängt, dass man sich seine Freunde nicht aussuchen kann. Sonst wäre ich ja wohl nie bei Tiny Cooper gelandet.
Tiny Cooper ist nicht der schwulste Mensch auf der Welt und er ist auch nicht der größte Mensch auf der Welt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er der größte Mensch auf der Welt ist, der richtig, richtig schwul ist, und der schwulste Mensch auf der Welt, der wirklich, wirklich groß ist."
Tiny Cooper ist nicht der schwulste Mensch auf der Welt und er ist auch nicht der größte Mensch auf der Welt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er der größte Mensch auf der Welt ist, der richtig, richtig schwul ist, und der schwulste Mensch auf der Welt, der wirklich, wirklich groß ist."
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| http://www.amazon.de/Will-John-Green/dp/357016103X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1414855252&sr=8-1&keywords=will+und+will |
John Green, den man spätestens seit „Eine wie Alaska“
kennen sollte, ist für mich einer der begnadetsten Jugendbuchautoren.
Und auch David Levithan, der zusammen mit Rachel Cohn schon sehr gute Bücher geschrieben hat (z. B. „Naomi & Ely“), ist bereits bekannt geworden. Nun haben sich die beiden
Amerikaner zusammengetan und ein gemeinsames Buch veröffentlicht: In
„Will & Will“ geht es um zwei Jungen, die den gleichen Namen haben,
und jeder von ihnen hat seinen eigenen Packen an Problemen …
Inhalt:
Will Grayson hat nicht allzu viele Freunde – einer davon ist Tiny, ein großer und stattlicher Junge, der schwul ist und das auch allen mitteilt. Tiny ist fast jeden Tag in einen anderen Jungen verliebt und jedes Mal euphorisch, bevor das Leid der Welt ihn wieder umgibt. In der Schule plant Tiny etwas ganz Großes: Er möchte ein Musical aufführen, in dem er sein Leben erzählt. Doch Will zweifelt, ob es je dazu kommen wird.Während Tiny mehr als extrovertiert ist und alles zur Schau trägt, was ihm im Kopf herumspukt, zählt Will zu den eher schüchternen Jungen. Das gilt gerade auch Mädchen gegenüber. Doch Tiny hat für ihn schon eine Freundin ausgesucht: Jane, ein Mädchen, das viel mit beiden herumhängt. Will hat jedoch Angst vor einer Beziehung, und ihm ist selbst außerdem nicht ganz klar, ob er überhaupt in Jane verliebt ist.
Zur gleichen Zeit geht es einem anderen Jungen mit dem gleichen Namen wie Will nicht gerade gut. Der Vater des anderen Will hat schon vor längerer Zeit die Familie verlassen, und sowohl Will als auch seine Mutter kämpfen mit Depressionen. Der einzige Lichtblick in Wills Leben ist seine Chat-Beziehung mit Isaac. Nur ihm teilt Will mit, wie es ihm geht, welche Sehnsüchte er hat … Ansonsten lebt er völlig zurückgezogen.
Dann vereinbaren Isaac und Will, dass es Zeit wird, sich endlich einmal zu treffen. Sie verabreden sich in einem Café in Chicago – doch als Will zum Treffpunkt kommt, stellt sich heraus, dass das vermeintliche Café ein Pornoladen ist. Ihm kommen erste Zweifel, ob Isaac vielleicht nicht der ist, für den er ihn gehalten hat. Und dann taucht Isaac schließlich gar nicht auf. Stattdessen lernt Will in dem Pornoladen den anderen Will kennen …
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| Buch Seite 156 |
Fazit:
Ich liebe dieses Buch und das beide Autoren schreiben können, war mir klar – das haben sie in ihren früheren Büchern bereits bewiesen. Und auch in „Will & Will“ gelingt es ihnen, eine packende Geschichte zu entwerfen. John Greens Teil über Will, Tiny und Jane knüpft an dem an, was wir von dem amerikanischen Autor kennen: Die Liebesgeschichte zwischen Will und Jane hat einige Ähnlichkeiten mit John Greens früheren Büchern. Will ist schüchtern, traut sich nicht, sich in Jane zu verlieben, und muss davon überzeugt werden. Jane dagegen ist vergleichsweise selbstbewusst. Das ist eine typische Konstellation, wie sie John Green schon mehrmals verwendet hat.Eine interessante Figur ist zweifelsohne Tiny, der von himmelhochjauchzend bis zu tode betrübt alle Gefühlslagen kennt und auslebt. Tiny ist anstrengend, kann ruppig sein, hat aber alles in allem dennoch ein gutes Herz und kümmert sich um seine Freunde. Als Leser schließt man ihn trotz seiner Sperrigkeit jedenfalls schnell ins Herz.
Die besten Momente in „Will & Will“ – egal, welcher der beiden Autoren schreibt – sind für mich jedoch die Dialoge. Die Figuren des Buches hadern mit dem Leben und versuchen sich in den Gesprächen selbst zu finden und mit dem Leben zurechtzukommen. Die Dialoge haben Witz und Esprit, sie haben eine philosophischen Hintergrund und sind immer wieder überraschend. Das ist einfach gut gemacht.
Als Will und Will dann aufeinandertreffen, ist das außerdem ein besonderer Moment im Buch. Da begegnen sich zwei schüchterne Jungen, die es nicht gewohnt sind, über sich und ihr Leben zu reden, und freunden sich auf ihre Art an – ja, sie vertrauen sich einander an. Leider wird das Buch ab diesem Moment auch etwas vorhersehbarer. Allzu sehr gestört hat mich das jedoch nicht.
Ich empfehle euch das Buch unbedingt zu lesen. Als Taschenbuch mit 375 Seiten ist ein Preis von 8,99€ auch völlig in Ordnung.
Na dann erweitert euren SUB (Stapel ungelesener Bücher) mit diesem wundervollen Jugendbuch und genießt es bei diesem Wetter da draußen drin zu sitzen und zu lesen.
Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende.
Bine


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